FolkWorld #48: Das Blaue Einhorn
FolkWorld #48 07/2012
© Walkin' T:-)M

Ankunft im Paradies

Dietrich Zöllner, Bass & Bushmills

Das Blaue Einhorn @ St. Michaeliskirche, Braunschweig - 08. Juni 2012.

Show us the way to the next whisky bar ... Das neue Programm des Dresdner Quartetts Das Blaue Einhorn, "Ankunft im Paradies – Spiel und Gesang mit Hoffnung", beginnt mit einer eher schrägen Interpretation des "Alabama-Song" aus der Brecht-Weill-Oper "Mahagonny". (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Bass-Bogen in einem Bushmills-Karton aufbewahrt wird.)[37]

Das Blaue Einhorn: Ankunft im Paradies

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Es gibt verschiedene Vorstellungen vom Paradies wird uns im Laufe des Abends klargemacht. Für den in Weissrussland geborenen, jüdischen Schauspieler und Sänger Aaron Lebedeff besteht es aus bashmala un balik in tsu dem a shashlik; mit a git glezl vayn, also einem guten Essen und einem Gläschen Wein. Der französische Liedermacher Thomas Fersen sucht Zuflucht unter dem Unterrock, sous son jupon, in einem Chanson, dessen Text wie eine Mischung aus "Der Kleine Prinz", "Die Blechtrommel" und "Willi will's wissen" klingt.

Es geht auch spiritueller: Her ne ararsan kendinde ara Mekkede, kudüste, haçta değil - Suchst du Gott, so in der selbst, nicht in Jerusalem, nicht in Mekka ... nicht am Kreuz. So der anatolische Sufi Mystiker Yunus Emre. Und die argentinische Schriftstellerin Maria Elena Walsh möchte nur: Yo no soy un bailarín ... porque me gusta quedarme quieto en la tierra y sentir que mis pies tienen raíz - ruhig auf der Erde sitzen und zu spüren, dass meine Füße Wurzeln haben.

Es gibt viele Wege, die ins Schlaraffenland oder den Garten Eden führen. Davon können Victor Jara, Cesaria Evora, Mikis Theodorakis, Kurt Tucholsky, Tom Waits und Seal ein Lied singen. Es sind sehnsuchtsvolle Lieder, Lieder über die Unmöglichkeit einen Rueplats in der Welt zu finden. Aber es gibt auch Hoffnung: Aç yüregini bir merhabaya ... wenn du das alles gesehen hast, öffne dein Herz zu einem Hallo!

Paul Hoorn

Dabei ist das Konzertprogramm des Blauen Einhorns gleichermaßen poetisch wie in der Realität verhaftet. Die Auswahl der Stücke ist abwechslungsreich, einige Strophen hat der ideenreiche und fantasievolle Kopf der Gruppe, Sänger und Akkordeonist Paul Hoorn, zum besseren Verständnis ins Deutsche übersetzt.

Seine rauchige, im realen Leben verwurzelte Stimme transportiert spielerisch den emotionalen Inhalt der Lieder in die Köpfe und Herzen des Publikums. Die rhythmische Grundlage schaffen die beiden Brüder Andreas und Dietrich Zöllner an Gitarre und Kontrabass, die beide zum Urgestein der 1991 gegründeten Formation gehören.

Geiger Florian Mayer ist seit gut fünf Jahren an Bord. Wenn er nach den vielen eher melancholischen Liedern dann ein flottes Instrumentalstück wie das aus der rumänischen Lăutăresc- als auch der jiddischen Klezmer-Musik bekannte "Ciocârlia" (Nachtigall) anstimmt, lassen sich die Zuhörer im Braunschweiger Gotteshaus zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Am Ende ist man zwar immer noch nicht im Paradies angekommen und die Reise des Blauen Einhorns noch nicht ganz abgeschlossen, aber es ist mit den Worten Rio Reisers: Land in Sicht! singt der Wind in mein Herz. Die lange Reise ist vorbei ...

P.S.: Statt eines Konzertberichts hätte dies auch eine CD-Rezension sein können. Die dazugehörige Doppel-CD wurde bei drei Konzerten im Januar/Februar 2012 live aufgenommen. Wer diese in der Konzertpause gleich erstanden hat, durfte sich über eine schöne Zugabe freuen - das umfassende, von Paul Hoorn künstlerisch gestaltete CD-Booklet, mit dem man noch tiefer in die Welt des Blauen Einhorns eintauchen kann.


Photo Credits: Das Blaue Einhorn: (1), (3) by Walkin' Tom; (2) Website.


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