FolkWorld #45 07/2011

CD & DVD Reviews

Sweet Claudette "That Man's Got To Go"
Blue Skunk Music, 2009

www.sweetclaudette.com

Aus Detroit kommt nicht nur Mitch Rider, auch 'Sweet Claudette' Harrell-Manning hat hier ihre Heimstadt und macht sich von dort auf die Clubs von Alabama bis Kanada zu rocken. Wobei 'rocken' das falsche Wort ist, denn Sweet Claudette hat sich dem Blues verschrieben. Diesen bringt sie mit ihrer sechsköpfigen Band ausgesprochen funky und kraftvoll rüber. Fette Bläser und jazzige Riffs bestimmen der Sound. Im Frühjahr 2011 soll ein neues Album der Bluessängerin erscheinen, uns liegt jedoch nur ihr 2009er Album vor. "That Man's Got To Go." enthält fast ausschließlich eigene Songs, einzig Albert Kings Version von 'Ain't nobody's Bizness' stammt aus fremder Feder. Die Platte war auch über die Staaten hinaus einigermaßen erfolgreich und sei allen die kraftvollen Blues mögen wärmstens empfohlen.
© Holger Brandstaedt


June Tabor "Ashore"
Topic Records, 2011

www.junetabor.co.uk

Vier lange Jahre haben ihre Fans auf ein neues June Tabor Album warten müssen. Doch das Warten hat sich gelohnt – und wie. Mit 'Ashore' legt die Grandame des Englischen Folk nicht nur erneut ein Konzeptalbum vor, sie macht mit dieser CD auch eine Reise durch die eigene Werkgeschichte. Doch der Reihe nach: Auf 'Ashore' widmet sich June Tabor den Menschen die an der See wohnen. Dreizehn Songs hat sie dazu im Frühjahr 2010 in Wales gemeinsam mit Andy Cutting, Diatonisches Accordeon; Mark Emerson, Violine,Viola; Tim Harries, Double Bass und Huw Warren, Piano aufgenommen. Dabei greift sie durchaus auf bereits bekanntes zurück. So finden sich hier neue, ganz andere Interpretationen von 'Finisterre', das Tabor 1990 mit der Oysterband für 'Freedom and Rain' aufnahm und 'The grey Funnel Line', das sich schon auf dem 1976 erschienenen ersten Silly-Sisters-Album findet. Hier nun also ohne Maddy Prior, aber dennoch ungemein gelungen. Auch bei den restlichen Stücken der CD hat der Hörer ein Déjà vu. 'The Bleacher Lassie of Kelvinhaugh' könnte vom 1977er Album 'Ashes and Diamonds' stammen, Elvis Costellos 'Shipbuilding' würde wunderbar auf Tabors 1989er Jazzexkurs 'Some other Time' passen, bei dem Instrumentalstück 'Jamaica' wandeln ihre Mitmusiker auf den Spuren John Playfords, denen sie als Cast a Bell mit '1651' im Jahr 2001 ein musikalisches Denkmal setzten. Die Aufzählung könnte so weitergehen, letztlich gilt es jedoch ein Fazit zu ziehen: June Tabor hat mit 'Ashore' erneut ein zeitloses Meisterwerk vorgelegt, das zu ihren besten Alben gehört und den Hörer mit Freude und Staunen erfüllt. Grandios!
© Holger Brandstaedt


Colin Wilkie "Bangter Rites"
Greenhillmedia, 2011

www.colinwilkie.de

'Siebzig Jahre und kein bisschen Weise...' Nein die Zeilen des Evelyn Künneke Liedes treffen auf Colin Wilkie nun wirklich nicht zu. Denn erstens ist sein 70ter schon einige Jahre her und zweitens präsentiert sich der Barde auch 2011 textlich auf der Höhe der Zeit. Fünfzehn Jahre hat sich Colin Wilkie für ein neues Album Zeit gelassen. Jetzt liegt es vor und präsentiert keinen müden, alten Mann sondern einen immer noch bissigen, kraftvollen Vollblutmusiker. Wilkie, der im Schwäbischen beheimatet Brite, hat das Album gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten und Produzenten Andy Horn in dessen Red Room Studio eingespielt. Mit von der Partie waren u.a. Julian Dawson, Biber Herrmann und Wilkies Partnerin Shirley Hart.
In den 14 Liedern huldigt er u.a. Haruki Murakami und Vincent van Gogh, der Pate für das CD-Cover stand. Das One-Hit Wonder produzierende Popbusiness, gierige Bänker und schlangenzüngige Politiker bekommen dagegen ordentlich ihr Fett weg. Das von Wilkie als 'sein stärkstes der letzten 15 Jahre' bezeichnete Album ist dank der zahlreichen, hochkarätigen Gäste und gelungener Arrangements ausgesprochen abwechslungsreich geraten. Anspieltips: 'Is Susanna there?', 'With Kafka on the Shore' und 'Armada Annie'
© Holger Brandstaedt


Damien O'Kane "Summer Hill"
Pure Records, 2010

www.damienokane.co.uk

Eine der besten Neuerscheinungen der letzten Monaten verdanken wir Damien O'Kane. Der aus einer Musikerfamilie in Derry / Nordirland stammende Banjospieler und Sänger legt mit 'Summer Hill' ein bemerkenswertes Debüt hin. Aber das verwundert nicht, denn Damien O'Kane ist nicht nur seit Jahren Mitglied der Kate Rusby Band, er ist auch der Partner von Kate und so sind hier neben Kate auch David Kosky (guitar), Michael McGoldrick (flute, whistle), Andy Seward (double bass), John-Joe Kelly (bodhrán), Aaron Jones (bouzouki), Cormac Byrne (percussion), Duncan Lyall (double bass), Ian Carr (guitar), James Mackintosh (percussion), Donald Grant (fiddle), Thea Speirs (fiddle), Rachel Jones (viola), Lucy Payne (cello), Anthony Davis (piano, keyboards) und Colette O’Kane (vocals) mit von der Partie. Produziert wurde das Album von Joe Rusby und Damien O'Kane. Es enthält 12 Lieder, die überwiegend aus Irland stammen, aber auch Ewan McColls 'The Lags Song' und als Bonus Ian Cambells 'The Sun is burning'. Die Platte hat Schwung und besticht durch eine wunderbare Symbiose aus Damiens Banjo-Spiel und Michael McGoldricks Flöte. Hinzu kommt Damiens hypnotischer Gesang. Fazit: Empfehlenswert!
© Holger Brandstaedt


Freya Abbott Ferguson "Get well soon"
No Masters, 2011

www.freyamusic.co.uk

Nein über Langeweile kann Jo Freya wohl nicht klagen, denn mit 'Get Well Soon' liegt erneut ein Album vor, an dem die englische Multiinstrumentalistin maßgeblich beteiligt ist. Neben Blowzabella, der Old Swan Band, Token Women, Coope/ Fraser/Boyes/ Simpson & Freya, dem The Lal Waterson Project und den Fraser Sisters ist Jo Freya seit einigen Jahren auch mit Jude Abbot und Neil Fergusson von Chumbawumba als Trio aktiv. Dessen Debüt ist ausgesprochen kurzweilig und vielseitig geraten. Es enthält neben Songs aus der Feder von Jo Freya ein paar handverlesene Traditionals, aber auch Lal Watersons 'Piper's Path', Ray Hearnes 'Old Community und mit 'Dear God' sogar ein XTC Cover. Dessen Original ist einst im Blowzabella Tourbus hoch und runter gelaufen. Freya Abbott Ferguson vereint das Schönste aus den anderen Projekten der Drei, wunderschöne Harmonien, akzentuierte Bläsersätze und gute Texte. Als Gäste wirken Andy Cutting, Harry Hammer und Belen de Benito auf dem Album mit. Erschienen ist 'Get well soon' auf dem Label der No Masters Kooperative, die in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen feiert und dank so erstklassiger, kreativer Mitglieder wie Freya Abbott Ferguson eine erfolgversprechende Zukunft vor sich hat . Fazit: Unbedingt reinhören!
© Holger Brandstaedt


The Old Swan Band "Swan for the Money"
Wild Goose, 2011

www.freyamusic.co.uk

Britannien Du hast es gut! Denn auch wenn in Zeiten knapper Kassen die Vielfalt des BBC Radioprogramms in Gefahr ist, gibt es neben den üblichen Musikformaten und zahlreichen multikulturellen Angeboten auch Sendungen wie 'Desperate Fishwifes', 'Beechgrove Potting Shed' und eben 'Take the Floor' eine Radioshow die sich ganz dem Tanzen verschrieben hat. Deren 75jähriger Moderator Robbie Sheppard ist kein Freund der Theorie, bei ihm wird losgetanzt. Und das ist wohl auch bei vorliegendem Album der Old Swan Band so gedacht, die sich der englischen Tanzmusik verschrieben hat. Gegründet 1974 als 'Cotswold Liberation Front' im Old Swan Pub in Cheltenham ist die auch als 'gut geölte Maschine' (Ian Anderson) bezeichnete achtköpfige Formation (u.a. Jo Freya am Saxophon) angetreten der Vorherrschaft keltischer Klänge Paroli zu bieten und Englische Country Dances zu spielen. Volkstänzer werden ihre Freunde daran haben, mir war die Platte auf Dauer doch etwas ermüdend, was jedoch nicht an der Qualität der Einspielung lag, sondern eher daran dass ich derzeit nicht ganz so elastisch in den Knien bin.
© Holger Brandstaedt


Herbert Bartmann "ruusmusik"
Eigenverlag, 2010

www.herbert-bartmann.de

Ganz im Alleingang entstand 'Ruusmusik - Worden un musik ut freesland', das aktuelle Album des Multi-Instrumentalisten Herbert Bartmann. Wie heißt es doch zur CD: 'Wer bei plattdeutscher Folkmusik beschaulich-gemütliche Folklore erwartet, liegt bei Herbert Bartmann daneben. Mit seiner aktuellen CD „ruusmusik“ belegt er, dass er sich weit weg von verstaubten Folk-Klischees bewegt. Auch wenn die Texte größtenteils traditionell sind: Ausgetretene musikalische Pfade sind nicht sein Ding. Deutlich wird dies durch seine große Experimentierfreude. So arbeitet er etwa in „Weetjes Wichter“ - eine humorvoll rhythmische Wortspielerei mit drei Ostfriesischen Zungenbrechern - mit sogenannten Samples. Drum'n'Bass-Passagen und ein flirrender Synthie-Orgelsound machen das Stück im besten Sinne zu einem „Old-School-Hiphop-Track“, der gar als Clubhit durchgehen könnte.' Okay, aber das wäre dann eher ein Club, der auch Wimme Saari spielt. Und genau wie Wimme ist auch Bartmanns Musik nicht ganz unanstrengend, zumindest wenn man wie ich des Friesischen nicht mächtig ist. Zum Glück ist das Booklet dreisprachig und so erhält der Hörer die nötigen Informationen mitgeliefert. Und dank dieser Informationen wird das Fremde dieses Albums dann teilweise vertraut und sympathisch. Bartmanns Texte zeichnet ein Blick auf soziale Wirklichkeit einst und heute aus. In 'Dat Boot is vull' prangert der Musiker, wie schon Gianmaria Testa, das Schicksal heutiger Einwanderer an, die verzweifelt versuchen in Europäische Staaten zu fliehen, aus denen selbst über Jahrhunderte Auswanderer in alle Welt zogen um ihr Glück zu finden. Soviel Aktualität ist leider selten unter den Mundart-Künstlern und verdient Respekt. Wünschenswert wäre es gewesen wenn Herbert Bartmann sich ein paar junge Musiker mit ins Boot geholt hätte, so agiert er manchmal arg allein auf weitem Feld.
© Holger Brandstaedt


Jan Cornelius "Barnsteen"
Eigenverlag, 2010

www.jan-cornelius.de

Bernstein fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Dem Stein wird heilende Wirkung nachgesagt, er soll Lebensfreude wecken und Nachsicht fördern. Der goldfarbene, durchsichtige Stein strahlt Wärme und Poesie aus. Letzteres trifft auch auf das nunmehr zehnte Album des ostfriesischen Liedermachers Jan Cornelius zu. Vierzehn plattdeutsche Lieder aus eigener Feder im Spannungsfeld zwischen Lied, Chanson und Blues enthält es. Eingespielt im Trio mit Klaus Hagemann an Gitarre und Bass, sowie Christa Ehring, deren Cello den Stücken Glanz und Wärme verleiht. 'Barnsteen' ist ein Fest für Freunde Niederdeutscher Sprache und eine Empfehlung für Alle, die gute handgemachte Musik mögen. .
© Holger Brandstaedt


Johan Meijer "Europeana: Zeit und Raum"
Nederossi, 2010

www.johanmeijer.de

Der Niederländer Johan Meijer scheint mit offen Ohren zu reisen, denn die Alben des Sängers, Texters und Übersetzers enthalten immer wieder Lieder von anderen Künstlern wie Biermann, Wyssotzky oder Okudjawa. Im Jahr 2008 widmete er ein ganzes Album dem viel zu früh verstorbenen Gerhard Gundermann und nun hat er unter dem Titel 'Europeana: Zeit und Raum' gleich ein Doppelalbum mit Liedern bekannter Kollegen eingespielt. Das ausgesprochen opulent produzierte und gestaltete Werk fußt auf dem Gedanken dass Menschen die das gleiche Geld in den Taschen haben auch die Lieder der anderen kennen sollten. Und so versammelt er hier Lieder von José Alfonso, BAP, Jaques Brel, Peter Gabriel, Wenzel, Mikis Theodorakis und vielen anderen. Dass er dabei nicht nur große Namen berücksichtigt, sondern auch hier eher unbekannten wie dem tschechischen Sänger Jaromir Nohavica die Stimme leiht, zeigt die Ernsthaftigkeit und Tiefe dieses Projekts, das uns musikalisch durch die Stürme und Wirren des vergangenen Jahrhunderts führt. Johan Meijer ist ein politischer Mensch, ein Sänger für den Internationalismus und Solidarität keine Fremdwörter sind. Und so wirkt dieses Doppelalbum wie aus einer anderen Zeit, dabei ist es nur ein anderer Blick auf politische und gesellschaftliche Zustände. 'Europeana' ist mit hervorragenden Musikern eingespielt und wird fast mühelos getragen von der großen Kunst Johan Meijers, die fremden Lieder zu eigenen zu machen. Als Hörer kann man Zeit und Raum einen Moment vergessen und ganz in den hier versammelten Liedern versinken.
© Holger Brandstaedt


Joshua Carson "Auf und davon"
Eigenverlag, 2010

www.joshuacarson.de

Vielfalt ist Trumpf bei Joshua Carson. Der als Alexander Ohde in Bad Segeberg geborene Singer/Songwriter trat im Duo als 'Take Two', im Trio mal als Take Three', mal als 'B'Natural' auf, veröffentlichte 1995 sein Solodebüt unter dem Namen Sascha O'Day, 1997 und 2000 zwei weitere Alben als Sascha Ohde und nun das zweite unter dem Namen Joshua Carson. Er spielt bei Hochzeiten und Familienfeiern, Firmenevents oder mal als Songwriter, mal als Countrysänger in Kneipen und Clubs um die Ecke. Diese Vielfalt spiegelt auch das 2010 erschienene Album 'Auf und davon' wieder. Darauf finden sich 15 deutsch- und englischsprachige Lieder aus der Feder Carsons, die irgendwie zwischen Pop und Country pendeln, sowie Reinhard Meys 'Das Meer'. Meys Einfluss ist gerade bei den deutschsprachigen Titeln nicht zu überhören. Der zweite englisch gesungene Teil des Albums klingt dagegen deutlich mehr nach Country.
© Holger Brandstaedt


Rosige Zeiten "Poesie"
Eigenverlag, 2010

www.rosigezeiten.net

In Paderborn ist die Akustikband Rosige Zeiten beheimatet, die im Herbst letzten Jahres mit 'Poesie' ein neues Album vorlegte. Das Quinett um die Sängerin und Texterin Heike Schmolke hat sich in ihren Liedern den Irrungen und Wirrungen des zwischenmenschlichen Miteinanders verschrieben. Simon Jekosch (Piano), Werner Rittmann (Bass), Ulf Liebe (Schlagwerk) und Rainer Bartonitschek (Gitarre) untermalen Heike Schmolkes sanften Sopran. Der einfühlsame Gesang und die gefühlvollen Texte erinnern mich an die besseren Zeiten von Veronika Fischer. Hier ist Gefühl und Poesie Programm, dank der guten Arrangements rutscht das Ganze jedoch nie in Richtung Schlager, sondern bietet erwachsene Musik für Menschen denen Emotionen nicht unangenehm sind.
© Holger Brandstaedt


Schönherz & Fleer Rilke Projekt "Weltenweiter Wanderer"
Sony, 2010

www.rilke-projekt.de

Vor ein paar Wochen sah ich ein großartiges Konzert des 'Club der toten Dichter' mit seinem Rilke-Programm. Nun liegt hier eine Fortsetzung des so ganz anderen Rilke-Projekts von Schönherz & Fleer vor, aber dies nur in Auszügen, denn die Promo enthält nur 7 der insgesamt 19 Stücke.
Während beim 'Club der toten Dichter' die Gesangskunst von Katharina Franck im Mittelpunkt steht , ist hier Namedropping Programm: Hardy Krüger, Ben Becker, Hannah Herzsprung, Tim Fischer, David Kross, Hannelore Elsner, Peter Maffay, Salif Keita und Patricia Kaas sprechen Rilkes Texte zu den lautmalerischen Klanglandschaften aus der Feder von Schönherz & Fleer. Einzig Clueso kann den Sänger nicht ablegen und bringt ein wenig Schwung in das Ganze. Mir ist dieses sicherlich Erfolgversprechende Album etwas zu pathetisch geraten. Die Musik säuselt vor sich hin und bietet eine austauschbare, perfektionierte Tapete für Rilkes Poesie. Ein wenig mehr Ecken und Kanten hätten das Ganze wohl aus dem Dämmerzustand geholt. Wie lebendig Rilkes Texte sein können beweist der schon oben erwähnte 'Club der toten Dichter'.
© Holger Brandstaedt


Big Daddy Wilson "Thumb a Ride"
RUF Records, 2011

www.bigdaddywilsonb.de

Gerade hat der aus North Carolina stammende Big Daddy Wilson die 2010er deutsche Blues Challenge gewonnen, da legt er mit 'Thumb a Ride' ein neues Album nach, das seine Klasse noch bestätigt. Die 13 Tracks erzählen von der Lebensreise des Musikers, aber weder vom woher noch vom wohin: die Reise selbst ist das Thema. Die überwiegend aus eigener Feder stammenden Songs hat der in Europa deutlich erfolgreichere Amerikaner im Trio mit seinen musikalischen Partnern Jochen 'Skinny Joe' Bens und Michael 'Big Chief' van Merwyk rein akustisch eingespielt. Erschienen ist das sehr empfehlenswerte Album bei RUF Records.
© Holger Brandstaedt


Konstantin Wecker "Stürmische Zeiten, mein Schatz"
Sturm & Klang, 2011

www.wecker.de

Das unter dem aktuellen Tournee-Titel 'Stürmische Zeiten, mein Schatz' veröffentliche Live-Album enthält den Mitschnitt einiger Konzerte aus dem Jahre 2009 in Rosenheim und Nürnberg. An der Seite von Konstantin Wecker sind hier sein langjähriger Begleiter Jo Barnickel und das Spring String Quartett zu erleben. Das etwas dröge Cover täuscht, denn Wecker bietet eine opulente, gelungene Mischung aus Musik und Literatur. Texte aus seiner Feder stehen neben denen von Benn, Rilke, Brecht und Schlegel.Die Arrangements sind genauso erstklassig wie die beteiligten Musiker. Die Zeiten mögen bei Wecker grad nicht allzu stürmisch sein, dazu klingen die ausgewählten literarischen Texte allzu launig und saturiert. Ein großartiger Musiker ist er allemal und davon zeugt auch dieses Album.
© Holger Brandstaedt


The Great Recession Orchestra
"Have you ever even heard of Milton Brown?"
NewTex, 2010

www.newtexasswing.com

Milton Brown gilt als einer der Begründer des bis heute populären Texas Swing. Der 1936 nach einem schweren Autounfall viel zu früh gestorbene Musiker hat eine große Zahl zeitloser Arrangements traditioneller Lieder hinterlassen, denen sich nun das 'Great Recession Orchestra' angenommen hat. Hier sind absolute Profis am Werk.. Mit viel Spielfreude und Enthusiasmus wagen sich die insgesamt elf Musiker an die Neuinterpretation der zwischen 1934 und 1936 erstmals eingespielten Songs. Das Resultat, macht Freude und trägt stilsicher dazu bei den Texas Swing und die Erinnerung an Milton Brown am Leben zu erhalten.
© Holger Brandstaedt


Trailerpark Idlers "In Praise of Idleness"
Something Wicked, 2010

www.trailerparkidlers.se

Etwas sperrig kommt das Doppelalbum der schwedischen Trailerpark Idlers daher. Doch das gilt nur für die CD-Hülle, die vom Format eher an eine DVD erinnert. Musikalisch entführt uns das Quartett aus Nörköpping in das Amerika der 50er und 60er Jahre. Auf dem Programm stehen Lieder von Blut, Tod, Trunk und Grab, gekleidet in Country-Songs, wie sie in den 70er und frühen 80er Jahren Sonntagvormittags z.B. das RIAS Programm in Berlin füllten. Neun Alben haben die vier Musiker in den letzten fünf Jahren aufgenommen. Das Neue 'In Praisz of Idleness“ (Im Lobpreis des Müßiggangs) getauft, enthält gleich 26 Songs und bei der Fülle und dem Tempo der Veröffentlichungen kann von Müßiggang im Zusammenhang mit der Band wohl kaum die Rede sein. Dass sie dennoch viel Spaß an der Musik haben hört man der CD in jedem Moment an. Als Anspieltips seien hier 'Me and my Dog', sowie das wunderbare 'We already have a local drunk' genannt. Fazit: Empfehlenswert!
© Holger Brandstaedt


Bob Beeman "Inferno"
Sunday Records, 2010

www.beemusic.net

Fukushima, Krieg in Afghanistan, Umweltzerstörung – wie geht ein Mensch um mit diesem Inferno an schlechten Nachrichten, die uns jeden Tag erreichen? Der Berliner Musiker Bob Beeman hat sich dieser Frage gestellt und sein Leben radikal verändert. Der ehemalige Mothers-Little-Heplers Frontman ist aufs Land gezogen. Ganz im Nordosten dieser Republik hat er nicht nur die Liebe, sondern auch einen Job als Bootsmann auf einem Segelschiff, eine Basis für seine neue Bands 'The Stormbirds' und ein kleines feines Studio gefunden in dem er nun sein zweites Soloalbum aufnahm. 'Inferno' ist eine wunderbar ruhige aber spannungsvolle Platte geworden, deren Songs voller Intensität leuchten und Wärme ausstrahlen wie die Glut eines Lagerfeuers. Beeman schafft mit wenigen Griffen und Textzeilen eine Nähe, wie sie 'Sister Morphine' von den Stones oder 'Silver and Gold' von Neil Young eigen ist. Die 14 Songs sind feinster R'nB bei dem deutliche Einflüsse von Folk durch klingen. Die Platte ist ein Nachtstück, das sich in den Tag herüber schleicht und Suchtcharakter besitzt. Man darf gespannt sein was Bob Beeman da am Meer noch alles einfällt.
© Holger Brandstaedt


Wenzel "Seit ich am Meer bin"
Matrosenblau, 2011

www.wenzel-im-netz.de

Nachdem in der letzten Folkworld Wenzels aktuelles Album 'Kamille und Mohn' besprochen wurde, liegt nun bereits eine neue Doppel-CD vor. Das im Alleingang eingespielte Hörbuch mit dem Titel 'Seit ich am Meer bin' enthält 15 Lieder und 28 Gedichte aus dem gleichnamigen im März bei Matrosenblau erschienen Buch. Hier zeigt sich der Künstler, der einst Clown war und nun landauf und ab als Musiker begeistert, nach langer Pause wieder als Lyriker.
Wenzel beweist sich in den mit großer Ruhe gelesenen Gedichten als Weltbürger, der gleichzeitig tief verwurzelt in der Landschaft ist. Hiervon zeugen u.a. die zwölf Gedichte des Bugewitzer Kalenders. An diesen zeigt sich auch, das die CDs ergänzend zum Buch erschienen sind, denn die Informationen zu den Texten finden sich nur im Buch. Dennoch ist 'Seit ich am Meer bin' auch als CD eine unbedingte Empfehlung wert. Schon weil es Wenzel in der Mischung aus Liedern und Gedichten gekonnt gelingt bei der Vielzahl der Texte den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und die sehr unterschiedlichen Texte wunderbar ineinander greifen zu lassen.
© Holger Brandstaedt


Jude Davison "The Outskirts of Eden"
Moods Music, 2011

English CD Review

www.judedavison.com

Der polyglotte Multi-Instrumentalist Jude Davison hat eine Vorliebe für Konzeptalben, lässt sich aber von seinen Ideen manchmal auch wieder abringen. So geschehen bei diesem Album, dass sich mit dem Garten Eden beschäftigen sollte, auf dem sich jedoch eine ganze Menge Songs über irdische Dinge wie Sex, Drogen und Rock' n Roll wiederfinden. Gleich 27 recht abwechslungsreiche Stücke beinhaltet 'The Outskirts of Eden', viel zu viel für ein einfaches Album und so kommt dieses gleich doppelt daher. Die Songs auf den 'Outskirds of Eden' und 'New Fruit for Eve' getauften CD-Teilen beinhalten eine Mischung aus Rock, Country, Bluegrass, Folk, Latin und Blues. Einige erinnern an Calexico, andere an Tom Petty . Doch das ist egal, denn Davison ist mit einer solchen Spielfreude, Stilsicherheit und einer ordentlichen Portion Humor am Werk (man höre nur 'Baby Doll' oder 'Justin Bibers Dad'), dass alle Vergleiche verblassen.
Hinzu kommt das wunderschöne preisverdächtige Artwork des Album. Anders als beim Booklet sind die Stilwechsel zwischen den Songs manchmal jedoch etwas allzu hart geraten, so knallt zwischen zwei Southern Rock Nummern plötzlich ein an Trini Lopez erinnerndes Stück (CD2 Track 12) rein. Die Qualität des folgenden Liedes mildert vorangegangene Qualen jedoch. Dass Davison seit Jahren in Kanada beheimatet ist hört man nicht wirklich, stattdessen scheint sein letztes Album 'Circo de Theatro' über einen mexikanischen Wandercircus, inspiriert vom Bestseller 'Wasser für die Elefanten' und die anschließende Rocktheatertour immer noch stark nachzuwirken. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen., statt 27 nur 12 Songs, aber dafür ist Jude Davisons Kreativität wohl zu stark und das kann Liebhaber guter handgemachter Musik nur erfreuen. Anspieltips: 'Smoking Gun', 'Best if we dont say goodbye', 'Magdelina y mi corazon' und das schon erwähnte 'Justin Bibers Dad'
© Holger Brandstaedt


Tillerman's Cat "Next Step"
Mr. Snoop Records, 2010

Nurkurt "10 Years on the Road"
Eigenverlag, 2010

www.tillermanscat.de
www.nurkurt.de

Das Bad Kreuznacher Duo Tillerman's Cat bestehend aus dem Amerikaner Kenny Legendre (Gitarren, Bass, Banjo, Mandoline, Perkussion, Gesang) und dem Rheinland Pfälzer Kurt Sawalies (Gitarren, Mundharmonika, Tin Whistle, Harmonika, Bodhràn, Perkussion, Gesang) hat sein zweites Album "Next Step" mit elf neuen Originalsongs veröffentlicht. Die beiden ließen sich wiederum vom schottischen Poeten Rolf Campbell inspirieren und vertonten sechs seiner Texte. "Your Time is gonna come" ist amerikanischer Folk, der ein wenig an Bob Dylan erinnert, das rhythmische "Journeyman" klingt nach Liedermachern aus den späten 60ern und "Nature's Heart" ist eine melancholische Ballade mit schönem Gesang und gefühlvoller Begleitung. Neu texten die beiden auch selbst und so singt Sawalies seine Eigenkompositionen "Rod's back", ein bluesiger Country mit Gitarren und Mandoline, oder den Liedermacher Song "Feels like coming Home". Legendre schrieb das rockige "Pink Sheep", bei dem er die Geschichte des Duos zu Gitarrenbegleitung erzählt. Das neue Album von Tillerman's Cat ist akustische Folkmusik ohne Schnörkel. Die Songs sind abwechslungsreich, einfach arrangiert und tadellos vorgetragen. Gleichzeitig blickt Sawalies auf seinem siebenten Soloalbum zurück auf zehn Jahre Nurkurt. Er hat dafür 13 eigene Songs, teilweise Vertonungen von zeitgenössischen oder historischen Texten, zwei Coverversionen und ein traditionelles Lied aufgenommen. Er beginnt mit dem autobiografischen Titelsong, einem klassischen Liedermachersong mit Gitarrenbegleitung. Der Ire Finbar Furey schrieb die melancholische Ballade "The Reason I left Mullingar" und Sawalies trägt den Song mit viel Gefühl vor. Dann singt er Dougie MacLeans Hymne auf Schottland "Caledonia" und hat dafür mehrere Gesangsspuren aufgenommen. Nurkurt vertonte aber auch Texte von Robert Burns, "Bonnie Lesley", oder Rolf Campbell, "Lepidoptera" (lat. Schmetterlinge). Ersterer ist ein rhythmisch-melodiöser Song mit schönem Gitarrenspiel und die Schmetterlinge kommen als stiller Blues mit Mundharmonika daher. Zudem hat er deutsche Lieder geschrieben wie zum Beispiel das dramatische "Der Windhund", das mit tollem Fingerpicking und nachdenklichem Text besticht. Beim traditionellen "Loch Lomond" wird Nurkurt vom Chor Mosaik unter der Leitung von Bernd Hans Getz begleitet und hier verwendet er sogar ein paar Sound Effekte um das Naturspektakel zu beschreiben. Das Soloprojekt von Kurt Sawalies zeigt seinen durchaus eigenständigen Stil, der mir persönlich sogar besser gefällt. Auch hier wird zum Großteil auf technische Raffinessen verzichtet, Nurkurt präsentiert ehrlichen Liedermacher Sound.
© Adolf „gorhand“ Goriup


Nurkurt "Plattes Land"
Eigenverlag, 2010

www.nurkurt.de

Noch eine Scheibe die im Alleingang aufgenommen wurde. NURKURT ist das Soloprojekt von Kurt Sawalles, sonst mit Lomond und Tillerman's Cat unterwegs. Auf 'Plattes Land' präsentiert der Musiker erstmals deutschsprachige Texte aus eigener Feder. Die in den letzten Jahren entstandenen Lieder tragen Titel wie 'Du tust mir gut', 'Großstadtcowboy, 'Du und ich' und 'Ein bisschen geht noch' und genauso klingen sie auch. Einfach und geradeaus. Texte aus dem Hier und Jetzt, begleitet mit Gitarre, Bass, Bluesharp, Melodica, Cajon und Bodhrán. Entstanden ist eine kleine, sympathische und sehr persönliche Produktion bei der man sich fragt warum Kurt Sawalles erst jetzt ein Album in seiner Muttersprache wagt.
© Holger Brandstaedt


"Jo & Ben play William Butler Yeats"
Discorette Records, 2009

www.williambutleryeats.de

Jo Meiser (Gesang, Gitarre) und Ben Dreikandt (Gitarren) haben sich der Vertonung englischer Poesie verschrieben und haben für das aktuelle Projekt 17 Gedichte von W. B. Yeats in ein musikalisches Gewand gesteckt, eingespielt und auf ihrer gemeinsamen CD veröffentlicht.
Der gefühlvolle Gesang und das wunderschöne Gitarrenspiel verzaubern die sprachgewaltige Poesie von Yeats wie bei "Running to Paradise". Stille Songs wie das melancholische Gedicht "The wild Swans at Coole" wechseln ab mit gruseligen Folksongs wie "The crazed Moon". Eines der bekanntesten frühen Gedichte von Yeats ist "The Lake Isle of Innisfree", eine romantische Aussteiger Träumerei aus dem 19. Jahrhundert. Aus derselben Zeit stammt "The Fiddler of Dooney", das die beiden in einen rhythmisch melodiösen Folksong verwandelt haben. Dann singt Jo das visionäre "The Magi" zum orientalisch anmutenden Gitarrenspiel von Ben. "The Mother of God" überzeugt mit dramatischem Americana Sound und zum Abschluss trägt Jo mit hypnotischem Sprechgesang "The Dolls" vor.
Die Songs von Jo & Ben sind ein Leckerbissen für Freunde der Poesie von Yeats. Die ausschließlich akustischen Aufnahmen haben sich mit den Gedichten zu einem Ganzen zusammengefügt und entführen uns in das Irland der Jahrhundertwende.
© Adolf „gorhand“ Goriup


Ben Dreikandt "In the gold room"
Eigenverlag, 2011

www.discorette.de

Gerade hab ich noch mit Karsten darüber geunkt, dass ich lange keine richtig schlechte Platte auf den Tisch bekommen habe, da steckt sie schon im Briefkasten. Ben Dreikandts Album mit Vertonungen von Oscar Wilde ging leider ordentlich daneben und das liegt vor allem daran, dass der Künstler die englischen Texte lieber den Muttersprachlern überlassen sollte. Dazu kommen Klangeffekte wie ich sie das letzte Mal bei Achim Reichels 'Grüner Reise' von 1971 gehört habe. Nur sind seitdem 40 Jahre ins Land gegangen. Ich glaube nicht, dass Ben Dreikandt ein schlechter Musiker ist, aber vielleicht sollte er, wie hier geschehen, nicht alles allein machen und ruhig mal jemanden draufhören lassen. Sorry.
© Holger Brandstaedt


Celarda "Air"
Eigenverlag, 2010

www.celarda.de

Das Trio Celarda besteht aus Katharina Liborius (Gesang, Fiddle, Whistles, Flute. Duduk), Lisa Eberhardt (Gesang, Cello) und Marco Schmidt (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Bodhràn). Für ihr zweites Album "Air" haben sie gemeinsam mit Gastmusikern an Oboe (Martina Leipoldt), Trompete (Gunnar Besen), Saxophon (Jörg Perner), Posaune (Sebastian Dorschner), Perkussion (Peter Kuhnsch) und keltischer Harfe (Ralf Kleemann) zwölf traditionelle, selbst komponierte und gecoverte Songs und Tunes aufgenommen.
Katharina und Marco vertonten Heather Nicholsons Gedicht "Memories of Avalon" als stille Kammermusik artige Ballade begleitet von Gitarre, Violine und Cello. Kleemann brilliert bei seinem verspielten "Squirrel Jig" mit wunderschönem Spiel; Cello, Gitarre, Flute und Akkordeon gesellen sich dazu und tanzen mit der Harfe zum tollen Rhythmus. Das rhythmisch poppige "Part of Everything/Existential Essence" ist Schmidts Vertonung eines Ausschnitts aus dem walisischen Book of Taliesyn und zum traditionellen Folksong "The Maid that sold her Barley" schrieb er die Tune "Chat over the Fence". Treibender Bodhràn Rhythmus, großartige dreistimmige Gesänge, ruhig düstere Cello Klänge und virtuoses Flötenspiel machen dieses Set zu meinem Favoriten. Ein weiterer Höhepunkt ist Schmidts "Blue Arabesque", eine Tune zu atemberaubenden orientalischen Rhythmen von Kuhnsch. Es beginnt mit dem traurigen Gesang des Duduk und dem rhythmischen Spiel des Akkordeon und des Cello, später bezaubert Katharina mit Whistle und Flöte und beendet die musikalische Reise wieder mit dem Duduk. Schmidt singt "Kilkelly" ein trauriger Song des amerikanischen Songwriters Peter Jones, der mit dem Zusammenspiel von Gitarre, Cello und Oboe klassische Elemente einbringt und Liborius besticht mit der klassisch inspirierten Tune "Nightingale's Kiss". Zum Abschluss gibt's dann noch das traditionelle Reel Set "Over the Land/The Man of the House", bei dem die drei mit dem Bläsertrio zu einem fulminanten Finale aufspielen.
Das neue Album von Celarda ist eine abwechslungsreiche und hervorragend interpretierte Sammlung von Songs und Tunes, die Folk, Klassik und Weltmusik verbinden.
© Adolf „gorhand“ Goriup



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